Stellungnahme neue Kernlehrpläne G9

Ausgehend von dem derzeit gültigen Kernlehrplan G8 sind uns folgende konkretisierende Ausschärfungen in den neuen Kernlehrpläne G9 wichtig:

Der gymnasiale Bildungsgang mit dem Ziel des Abiturs muss deutlich in der wissenschaftspropädeutischen Ausprägung der formulierten Kompetenzen und Fachinhalte erkennbar werden.

Neben der Kompetenzorientierung sollten verbindliche Fachinhalte in den Kernlehrplänen ausgeführt werden, um eine einheitliche und anschlussfähige Ausbildung in NRW zu gewährleisten.

Die Anzahl der Kompetenzen muss auf ein vernünftiges Maß reduziert werden, so dass Lehrkräfte eine realistische Chance haben, den Erwerb der Kompetenzen bei allen Schülerinnen und Schülern der einzelnen Lerngruppen zu verfolgen und zu diagnostizieren.

  • Die Basiskonzepte für die Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie sollten in Anlehnung an die Bildungsstandards der KMK gewählt werden.
  • Die Fächer Chemie und Physik stellen sehr abstrakte Fächer dar und setzen somit abstrahierendes Denkvermögen seitens der Schüler voraus. Fachliche Inhalte können deshalb nicht einfach ein Jahr vorgezogen werden, sondern müssen mit Blick auf die Altersgruppe gewählt werden. Damit sollte der Unterricht in Physik und Chemie auf jeden Fall in der 9. und 10. Klasse zweistündig pro Woche verortet sein. Darüber hinaus sollte die Stundentafel mindestens ein weiteres Schuljahr, vorzugsweise in der 8. Klasse, für den Unterricht im Fach Chemie und Physik vorsehen. Für die fünften bis siebten Schuljahre wäre eine naturwissenschaftliche Frühförderung sinnvoll, um eine Brücke zwischen dem Sachunterricht der Grundschule und dem formalen naturwissenschaftlichen Unterricht der Sekundarstufe zu bilden und um Brüche in der Lernbiografie der Schüler zu vermeiden. Diese naturwissenschaftliche Frühförderung sollte modulartig im Halbjahresrhythmus durch die Fachlehrer Chemie und Physik und Biologie (in der Unterstufe bereits eingeplant) gestaltet werden. Darüber hinaus brauchen wir im KLP verankerte Ansatzpunkte für fächerübergreifende Themen, wie z.B. das Energiekonzept, das in allen drei Naturwissenschaften eine Rolle spielt und im Verlauf der Sekundarstufe 1 bedacht und abgestimmt entwickelt werden muss. Diese didaktisch-fachliche Abstimmung wird selten vor Ort in den Schulen von den Fachschaften zufriedenstellend geleistet.
  • Die Kontexte für die jeweiligen Inhaltsfelder sollten durch die Lehrkraft mit mehr Gestaltungsfreiheit gewählt werden können.
  • Die prozessbezogenen Kompetenzen sollten teilweise konkreter formuliert werden: Ganz besonders besteht Nachholbedarf in der Teilkompetenz 'Planung von Experimenten'. Diese Kompetenz muss differenzierter im Unterricht entwickelt werden, damit ein vertieftes Verständnis für das Experiment und die Messergebnisse erreicht wird. Bei der Planung eines Experiments, das zur Hypothesenprüfung durchgeführt wird, werden zur Untersuchung eines Zusammenhangs die relevanten Faktoren (die abhängige und die unabhängige Variable) isoliert und letztere systematisch variiert, um die Zusammenhänge zwischen den Faktoren untersuchen zu können (Killermann, Hiering & Starosa, 2005; Knoll 1973; Staeck, 1998). Hierzu müssen alle übrigen Bedingungen konstant gehalten werden, da nur dann darauf geschlossen werden kann, dass ein Effekt auf die abhängige Variable auf den Einfluss der unabhängigen Variable zurückzuführen und somit ein Kausalbezug nachweisbar ist (vergl. Diss. Christiane Regine Grube 2010)
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  •  Mögliche Formulierung der Teilkompetenzen:

- Planung eines Experiments zu einer formulierten Hypothese unter Berücksichtigung von abhängiger, unabhängiger und zu kontrollierender Variable

-  Wege finden, die unabhängige Variable zu manipulieren

- Angeben, wie die abhängige Variable gemessen werden kann

- Anführen der experimentellen Kontrolle und Erklärung ihrer Bedeutung

  • Daneben sollte der Kompetenzbereich Bewertung überarbeitet und auf zentralen Teilkompetenzen reduziert werden.
  • Die Basiskonzepte für das Wahlpflichtfach Informatik sollten in Anlehnung an die ‚Bildungsstandards Informatik in der Sekundarstufe I der Gesellschaft für Informatik (GI)‘ (informatikstandards.de) gewählt werden. Dabei muss weiterhin die Möglichkeit eines Neueinstiegs für Schülerinnen und Schüler in das Fach in der Oberstufe gewährleistet sein.
  • Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion zur „Bildung in der digitalen Welt“ unterstützen wir ausdrücklich die stärkere Betonung von Medienkompetenz in den KLP SI auf Basis des Kompetenzrahmens zum Medienpass NRW bzw. des Kompetenzrahmen der entsprechenden KMK Strategie.
  •  Erhöhte Lehrplananforderungen im Bereich Medienkompetenz erfordern hier jedoch zusätzliche Ressourcen für die Umsetzung in den Schulen. Diese dürfen sich nicht auf die Bereitstellung von Technik beschränken, sondern erfordern insb. zusätzliche Kapazitäten für den Service und Support in den Schulen sowie die Aus- und Fortbildungen der Kolleginnen und Kollegen. Schulen sind bereits jetzt vielfach strukturell mit den aktuellen Anforderungen überfordert.
  • Den Anspruch, über den Kompetenzbereich 6 des Medienpass NRW fächerübergreifend eine „informatische Grundbildung als elementaren Bestandteil im Bildungssystem“ verankern zu wollen (medienpass.nrw.de), sehen wir aus zwei Gründen kritisch. Zum einen mangelt es an praktikablen Ansätzen für eine Verortung selbst in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern, zum anderen fehlt hier eine klare Trennung zwischen dem Fach Informatik als Ingenieurs- und Strukturwissenschaft und der Vermittlung von anwendungsorientierter Medienkompetenz. Wir begrüßen daher die Idee eines Modellversuchs „Informatik als Pflichtfach in der Klasse 5 und 6“.
  •  Für das Fach Mathematik haben wir gesondert eine Stellungnahme formuliert.
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